Tamiltag 2012

„Warum gibt es noch einen Tamiltag? Weil die Muttersprache der beste Weg zum Herzen ist!“, so begann Bezirksapostel Wilfried Klingler seine Predigt vor insgesamt 144 Gottesdienstbesuchern, darunter 78 tamilische Glaubensgeschwister.

Nach 6 Jahren erlebten die Tamil sprechenden Glaubensgeschwister Niedersachsens mit vielen Gästen am Sonntag, 24. Juni 2012 wieder einmal einen „Tamiltag“ - einen Tag besonderer Gemeinschaft.

Der Tag begann mit einem Gottesdienst in der Aula der Heinrich-Göbel-Schule in Springe, den Bezirksapostel Wilfried Klingler hielt. Der Bezirksapostel legte das Bibelwort Johannes 14, aus 12 zugrunde:

„Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue.“

Das Bibelwort stammt aus den Abschiedsreden Jesu. Über drei Jahre hatten die Jünger besondere Erlebnisse mit und bei ihm. Es begann auf der Hochzeit zu Kana mit dem ersten Wunder und reichte bis zu dem Augenblick, wo Maria und Martha sich in der Trauer um ihren Bruder Lazarus an den Sohn Gottes wandten. Die beiden wussten um seine Kraft und Macht und Jesus stellte diese unter Beweis. Dazu ging er nicht ins Totenreich, sondern rief hinein: Lazarus, komm heraus! – Unfassbar für den menschlichen Verstand.

Die Jünger wussten, dass Jesus bald von ihnen gehen würde. Und in dieser Situation sagt er: Ihr werdet die Werke tun, die ich getan habe. Da steht die Frage: Wie soll das möglich sein? Jesus hat viele Wunder getan. Für solche Wunder besteht heute keine Notwendigkeit mehr. Christus ging den Weg zum Vater und hat für uns den Weg zum Vater bereitet – er selbst ist der Weg zum Vater.

Damals sagte Jesus zu seinen Jüngern: Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun (Johannes 14,13). Das gilt auch uns heute. Er möchte uns als Werkzeug in seiner Hand sehen.

Wer an Christus glaubt, der wird wie er

  • zu Gott aufschauen,
  • glaubensstark sein,
  • Gott gegenüber gehorsam sein,
  • demütig sein gegenüber Gott und dem Nächsten,
  • zielorientiert handeln.

Glaube ist eine Sache des Herzens, aus dem Glauben gehen Werke hervor. Dann wird innerhalb und außerhalb der Gemeinde erlebbar, dass wir ein Christentum aus innerer Überzeugung praktizieren.

Die Werke unterstreichen den Glauben, bewirken aber nicht die vor Gott geltende Gerechtigkeit. Diese kommt allein durch das Opfer Jesu zustande: Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei (vgl. Johannes 8,36).

Nach dem Gottesdienst genossen alle gemeinsam die traditionelle tamilische Küche beim Mittagessen. Anschließend wurde von den tamilischen Geschwistern ein kulturelles Programm dargeboten. Alle konnten sich an traditionellen Tänzen und Liedern erfreuen.

Hintergrund

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka seit den 1980er Jahren ist Auslöser für die Flucht vieler tamilischer Familien nach Indien, Kanada und Europa. Für viele ist die Flucht ein Verbleib auf Dauer geworden.

Der christliche Glaube ist bei den Tamilen, einem aus Südindien stammenden Volk, historisch stark verwurzelt. Unter den Flüchtlingen, die in Deutschland um Asyl nachsuchten, waren auch neuapostolische Christen. Sie besuchten mit Anverwandten und Gästen die Gottesdienste am Ort. Viele von ihnen blieben nicht in Deutschland, sondern emigrierten später in andere Länder.

Derzeit leben etwa 50 tamilische Glaubensgeschwister in Niedersachsen. In der Region Hannover finden regelmäßig Gottesdienste in tamilischer Sprache statt. Seit 1985 gibt es in der Gebietskirche Niedersachsen überregionale Treffen für Tamil sprechende Glaubensgeschwister und Gäste.

Die meisten tamilischen Emigranten sprechen und verstehen sehr gut Deutsch, die nachfolgende Generation ist bereits in Deutschland geboren. Um ihre Identität zu bewahren, haben für sie tamilische Tradition und Kultur einen hohen Stellenwert. Insbesondere werden klassische tamilische Musik und Tänze gepflegt.

S.S., K.G.; Fotos: I.M.